Stierkäfer – Insekt des Jahres 2024 aktuell zahlreich in Rothenberg
Sascha Eilmus • 27. Februar 2025
Stierkäfer – Insekt des Jahres 2024 aktuell zahlreich in Rothenberg
Große Freude hatten wir am vergangenen Wochenende bei einem Besuch unserer Flächen in Leichlingen-Rothenberg. Bereits seit einigen Jahren wird eine der Flächen als Weide extensiv mit Schafen beweidet. Das heißt, dass es stets nur wenige Schafe auf großer Fläche sind und die Beweidung im Laufe des Jahres auch unterbrochen wird, so dass sich die Pflanzen ungestört entwickeln können.
Bereits in den vergangenen Jahren wurde ganz vereinzelt der Stierkäfer (Typhaeus typhoeus) gesichtet. Dieses Jahr ist seine Gegenwart unübersehbar. An vielen Stellen auf dem Gelände kann man die frischen, kreisrunden Löcher, die das Stierkäferpärchen gemeinsam anlegt, oft unmittelbar neben frischem Dung finden. Die Art ist auf tiefgründig sandigen Boden angewiesen, den wir in Rothenberg (Nähe Sandberge) haben. Stierkäfer legen einen bis zu eineinhalb Meter langen Gang an, von dem Seitengänge abzweigen und in Kammern enden. In diese Kammern bringen die Tiere den Dung ein und das Weibchen legt ein Ei pro Kammer ab. Die Larven ernährt sich dann vom eingelagerten Dung und benötigt etwa ein Jahr für die Entwicklung zum erwachsenen Käfer.
Der Stierkäfer wurde im vergangenen Jahr vom Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut zum Insekt des Jahres 2024 ernannt. Durch den starken Rückgang extensiver Weidetierhaltung und den präventiven Einsatz von Antiparasitika (Entwurmungsmittel und Mittel gegen Ektoparasiten wie Zecken, Läuse und Flöhe; sie werden über Kot und Urin ausgeschieden und schädigen dann andere Insekten) bei Nutz- und Haustieren sind Mistkäfer wie der Stierkäfer heute in Mitteleuropa stark bedroht. Dabei sind die einst in großer Zahl vorkommenden dungverwertenden Spezialisten unter den Insekten unverzichtbare Säulen der Nahrungsketten und Ökosysteme, denn sie beseitigen schnell Dung (und damit auch Keime und Parasiten), verbessern die Bodenstruktur und Nährstoffverteilung und dienen selbst spezialisierten Insektenfressern (u. a. Fledermäuse, Spitzmäuse, Vögel, Reptilien) als wichtige Nahrungsquelle.


Die Offenland Stiftung setzt ab sofort auf tatkräftige, vierbeinige Unterstützung im Naturschutz: Eine kleine Herde Zwergziegen übernimmt die Landschaftspflege rund um das historische Turbinenhaus in Diepental. Die tierischen Helfer sollen gezielt eingesetzt werden, um das unkontrollierte Wachstum von Brombeeren und invasiven Neophyten einzudämmen und so die biologische Vielfalt der Region zu stärken. Wir bedanken uns herzlich bei den Ziegenhaltern für diese wertvolle Unterstützung! Die Große Fläche des ehemaligen Rosenthaler Teichs wird bereits seit fast einem Jahr erfolgreich durch Wasserbüffel beweidet. Die Ziegen helfen uns nun dort, wo die Wasserbüffel nicht hinkommen: Entlang des Zauns und am Turbinenhaus, das nun ein Artschutzhaus ist. Die Umgebung des Turbinenhauses ist ein wertvoller Lebensraum, der aber nach Abschluß der Baumaßnahmen des Wupperverbands zunehmend von stark wuchernden Pflanzenarten bedroht wird. Besonders Brombeergestrüpp und gebietsfremde Pflanzen (Neophyten) verdrängen die heimische Flora und überwuchern wichtige Freiflächen z.B. für seltene Wildbienen-Arten. Da der Einsatz von schweren Maschinen in dem sensiblen Gelände oft unpraktisch oder ökologisch nicht sinnvoll ist, schlägt die Offenland Stiftung nun einen rein biologischen Weg ein. Zwergziegen eignen sich hervorragend für diese Aufgabe. Im Gegensatz zu Schafen, die vor allem Gras fressen, sind Ziegen ausgesprochene Knospen- und Rindenliebhaber. Mit großer Vorliebe knabbern sie dornige Brombeerranken ab und machen auch vor Neophyten nicht halt. Durch ihren selektiven Verbiss drängen sie die Dominanzbestände zurück und schaffen sprichwörtlich Raum für seltene, heimische Pflanzenarten. Die Offenland Stiftung lädt Spaziergänger und Naturinteressierte herzlich dazu ein, das Projekt vor Ort zu beobachten. Gleichzeitig wird darum gebeten, die Tiere nicht eigenmächtig zu füttern, da die Ziegen eine genau abgestimmte Diät aus den wild wachsenden Pflanzen benötigen, um ihre Aufgabe als Landschaftspfleger optimal zu erfüllen.

Der BioBlitz Leichlingen 2026 auf der Plattform Observation.org ist aktuell in vollem Gange und läuft seit dem 1. Januar über das gesamte Jahr bis Anfang Dezember 2026. In dieser Zeit werden kontinuierlich Beobachtungen von Pflanzen, Tieren und Pilzen im Stadtgebiet gesammelt und von der Community geprüft. Anders als bei einem kurzen Aktionstag handelt es sich um ein langfristiges Citizen-Science-Projekt, bei dem sich die Datensammlung besonders im Frühjahr und Sommer dynamisch entwickelt. Begleitend finden im Jahresverlauf Exkursionen und Veranstaltungen statt, die Interessierten helfen, Arten besser zu erkennen und zu dokumentieren. Am 21. April 2026 wurden von 54 Beobachter*innen bereits 2464 Beobachtungen von 731 Arten dokumentiert.







